Geschichte
Etwa 1500 v. Chr. begann die Bronzezeit mit der Sa-Huynh-Kultur. In Nordvietnam entwickelte sich eine hochstehende Bronzekultur, die Dong-Son-Kultur. Aus dieser Kultur ging Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. das erste bekannte Königreich der Việt -Stämme Van Lang hervor. Die Việt errichteten 257 v.Chr. den Staat Âu Lac, der in dem 209 v. Chr. entstandenen Reich Nam Việt aufging. Im Jahre 111 v. Chr. wurde Nam Việt eine chinesische Provinz und von chinesischen Kultureinflüssen geprägt. Nach zahlreichen Aufständen gelang 939 die Vertreibung der Chinesen. Der erste vietnamesische Staat entstand.Bereits im 15. Jahrhundert spaltete sich das Land in die Herrschaft der Trinh im Norden und die der Nguyện im Süden. 1802 konnte Kaiser Gia-Long das Land wiedervereinigen. Er verlegte die Hauptstadt des Landes nach Hué und gab dem Land erstmals den Namen Việt Nam.
Im 19 Jahrhundert begann die Kolonialpolitik der Franzosen in Vietnam. 1862 musste Vietnam Gebiete an Frankreich abtreten. Bis 1883 wurden die drei Protektorate, Annam, Cochinchina und Tonkin gegründet, somit stand Vietnam unter französischer Kolonialherrschaft.
In der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts entstand eine Unabhängigkeitsbewegung. Ho Chi Minh vereinigte die kommunistischen Parteien zu einer Einheitspartei.
Während des Zweiten Weltkrieges besetzte Japan Vietnam. 1941 bildete Ho Chi Minh eine Liga für die Unabhängigkeit Vietnam, die Việt Minh. 1945 dankte Kaiser Bao Dai ab. Am 2. September 1945 proklamierte Ho Chi Minh die Demokratische Republik Vietnam.
Obwohl der Demokratischen Republik Vietnam der Status eines freien Staates innerhalb der Französischen Union zuerkannt wurde, betrieb Frankreich eine Rekolonialisierungspolitik. Im ganzen Land beginnen Aufstände und Kämpfe, der sogenannte Französische Indochinakrieg (1946–1954). 1954 gelang es den Việt Minh die Franzosen zu besiegen. Auf der Genfer Konferenz vom 21. Juli 1954 wurde die Teilung Vietnams entlang des 17. Breitengrades in die (nördliche) Demokratische Republik Vietnam (Hauptstadt Hanoi) und die (südliche) Republik Vietnam (Hauptstadt Saigon) beschlossen.
In Nordvietnam festigte sich die Macht der Kommunisten unter Staatspräsident Ho Chi Minh. In Südvietnam wurde 1954 der Katholikenführer Diệm Regierungschef. Landreformen, die die Viet Minh veranlasst hatten, wurden zurückgenommen. Die Regierung Diems war unpopulär, Studenten und Buddhisten protestierten gegen die Regierungspolitik. Die USA sahen sich veranlasst, ihre Unterstützung für Südvietnam zu verstärken, um den Sturz des Regimes zu verhindern. Bis 1960 versank Südvietnam immer mehr in Korruption und Chaos. Am 2. November 1963 wurde Diem ermordet. Darauf folgten mehrere kurzlebige Regimes, bis eine von den USA protegierte Militärjunta unter Nguyễn Văn Thiệu und Nguyen Cao Ky die Macht an sich riss und Dương Văn Minh zum Staatschef erhob.
Am 30. Juli 1964 fingierten die USA einen Zwischenfall im Golf von Tonkin. Die USA starteten massive Vergeltungsangriffe auf Nordvietnam. Dieses Ereignis bildete den Beginn des Vietnamkrieges. Ab 1965 gab es einen systematischen Luftkrieg der USA gegen Nordvietnam; im Süden operierten US-Bodentruppen. Bis 1968 eskalierte der Krieg, obwohl die USA Nordvietnam militärisch weit überlegen waren. Am 31. Januar 1968 gelang der Nationalen Front für die Befreiung Südvietnams in einer waghalsigen Operation ein politisch wichtiger Sieg: In der Tet-Offensive nahmen die kommunistischen Partisanen Südvietnams vorübergehend Teile Saigons und weiterer Städte ein, die gut gesicherte Botschaft der USA in Saigon wurde angegriffen. In den USA konnte nun die Regierung nicht mehr behaupten, dass der Konflikt unter Kontrolle sei. Es war offensichtlich, dass der Krieg nicht mehr gewonnen werden konnte, die öffentliche Meinung in den USA schwenkte um, nicht zuletzt aufgrund von Presseberichten und Bildreportagen über Kriegsgräuel, Massaker und Napalm-Opfer. Die USA beschlossen deshalb 1969 die Vietnamisierung des Krieges und den Abzug ihrer Truppen in mehreren Schritten. Die Bombardierungen und Luftangriffe, insbesondere die Verwendung von Entlaubungsmitteln, dauerten jedoch bis 1973 an.
Am 3. September 1969 starb Hồ Chí Minh, der Präsident Nordvietnams. Am 27. Januar 1973 vereinbarten Henry Kissinger und Lê Đức Thọ, der Nachfolger von Hồ Chí Minh, einen Waffenstillstand. Damit endete die direkte Kriegsbeteiligung der USA, die Waffenlieferungen an Südvietnam gingen jedoch weiter. Die Nordvietnamesen setzten den Kampf gegen Südvietnam fort. Die Volksbefreiungsarmee erzielte fortlaufend Gewinne in Südvietnam. Am 21. April 1975 stand Saigon vor dem Fall, Staatschef Nguyễn Văn Thiệu legte sein Amt nieder, die letzten verbliebenen Vertreter der USA wurden evakuiert. Am 30. April wurde Saigon eingenommen, Südvietnam kapitulierte bedingungslos, der Vietnamkrieg war damit zu Ende.
Am 2. Juli 1976 wurden Nord- und Südvietnam unter dem Namen Sozialistische Republik Vietnam wiedervereint. Saigon, die ehemalige Hauptstadt Südvietnams, wurde in Ho-Chi-Minh-Stadt (Thành phố Hồ Chí Minh) umbenannt.
Das im Gefolge des Vietnamkrieges entstandene Terrorregime der Roten Khmer in Kambodscha und vor allem das Ausbreiten von kriegerischen Auseinandersetzungen auf vietnamesisches Gebiet veranlassten Vietnam, in Kambodscha einzumarschieren. Am 7. Januar 1979 eroberten vietnamesische Truppen die kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh und errichteten am 8. Januar einen von Vietnam abhängigen „Revolutionären Volksrat“ unter Heng Samrin. Angesichts der moskautreuen Politik der Vietnamesen und der Tatsache, dass die Volksrepublik China die Regierung der Roten Khmer unterstützt hatte, provozierte China daraufhin entlang der Grenze zu Vietnam bewaffnete Auseinandersetzungen, die als Erziehungskrieg bekannt wurden. Während der vier Wochen lang anhaltenden Kämpfe erlitten beide Seiten hohe Verluste. China zog sich schließlich wieder zurück und gab an, seine Ziele erreicht zu haben. Der Konflikt endete ohne klaren Sieger. Erst 1989 zog Vietnam sich aus Kambodscha zurück.
1983 befanden sich rund 2.000 Militärberater aus der Sowjetunion im Land, die mit militärischen Nutzungsrechten der Luft- und Seestützpunkte (u. a. in Cam Ranh) ausgestattet waren und auch eine Abhörstation betrieben.
1986 veranlasste die Kommunistische Partei Vietnams wirtschaftliche Reformen, genannt Đổi mới (Erneuerung). Während der neunziger Jahre gab es ein rapides Wirtschaftswachstum und Vietnam wurde wieder in die internationale Staatengemeinschaft aufgenommen. Diplomatische Beziehungen zu den USA nahm Vietnam 1995 wieder auf, ein Jahr darauf hoben die USA das Handelsembargo auf.
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